Pferd richtig abweiden: Futterumstellung im Herbst Aller au contenu
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Abweiden beim Pferd: Warum die Umstellung im Herbst genauso wichtig ist wie das Anweiden

Abweiden beim Pferd: Warum die Umstellung im Herbst genauso wichtig ist wie das Anweiden

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Im Frühjahr reden alle übers Anweiden. Aber kaum jemand übers Abweiden.

Fünf Minuten Gras. Dann zehn. Dann zwanzig.

Wenn im Frühjahr die Weidesaison beginnt, wird bei vielen Pferden sehr genau darauf geachtet, dass die Umstellung langsam erfolgt.

Und im Herbst?

Da sieht es häufig ganz anders aus.

Die Nächte werden kälter, die Weiden nasser und irgendwann heißt es: Ab morgen bleiben die Pferde drin.

Von mehreren Stunden Gras geht es plötzlich zu Heu.

Dabei verändert sich für den Verdauungstrakt des Pferdes im Herbst ebenfalls einiges.

Genau deshalb lohnt es sich, nicht nur über das richtige Anweiden zu sprechen.

Auch Abweiden ist eine Futterumstellung.

Was bedeutet Abweiden beim Pferd?

Unter Abweiden versteht man die schrittweise Reduzierung der täglichen Weidezeit zum Ende der Weidesaison.

Parallel dazu wird die Winterfütterung – insbesondere die Versorgung mit Heu – wieder stärker in den Alltag integriert.

Ziel ist nicht, das Pferd möglichst schnell von der Wiese zu bekommen.

Vielmehr soll sich sein Organismus an die veränderte Futtergrundlage gewöhnen können.

Denn frisches Weidegras und konserviertes Raufutter unterscheiden sich deutlich voneinander.

Gras und Heu sind nicht einfach das Gleiche in Grün und Braun

Heu ist getrocknetes Gras – trotzdem verändert die Konservierung das Futtermittel erheblich.

Frisches Weidegras besitzt einen sehr hohen Wassergehalt. Heu enthält dagegen deutlich mehr Trockenmasse.

Auch die Gehalte an Zucker, Protein und anderen Nährstoffen können sich je nach Pflanzenbestand, Erntezeitpunkt, Vegetationsstadium und Qualität erheblich unterscheiden.

Für dein Pferd bedeutet der Wechsel deshalb mehr als nur einen anderen Geschmack im Trog.

Die gesamte Verdauung muss sich auf eine veränderte Ration einstellen.

Warum die Darmflora beim Abweiden eine wichtige Rolle spielt

Der Verdauungstrakt des Pferdes ist auf die kontinuierliche Aufnahme rohfaserreicher Nahrung spezialisiert.

Besonders spannend ist der Dickdarm.

Dort leben Milliarden Mikroorganismen – darunter verschiedene Bakterien, die an der Verwertung von Pflanzenfasern beteiligt sind.

Diese Gemeinschaft wird häufig vereinfacht als Darmflora oder Darmmikrobiom bezeichnet.

Welche Mikroorganismen sich besonders stark vermehren, hängt unter anderem davon ab, welches Futter regelmäßig zur Verfügung steht.

Ändert sich die Ration, verändert sich deshalb auch das Milieu im Darm.

Und genau diese Anpassung braucht Zeit.

Das ist einer der Gründe, warum größere Futterumstellungen beim Pferd grundsätzlich nicht abrupt erfolgen sollten.

Warum wird das Abweiden trotzdem häufig vergessen?

Weil der Wechsel im Herbst weniger auffällig wirkt.

Beim Anweiden haben viele Pferdehalter vor allem den hohen Zuckergehalt des jungen Grases und mögliche Verdauungsprobleme im Kopf.

Im Herbst dagegen scheint Heu zunächst die sichere Rückkehr zum gewohnten Winterfutter zu sein.

Das Problem ist aber nicht, dass Heu grundsätzlich problematisch wäre.

Der abrupte Wechsel ist der entscheidende Punkt.

Wenn ein Pferd über Monate viele Stunden täglich Gras gefressen hat, sollte seine Ration nicht von einem Tag auf den anderen vollständig verändert werden, sofern die Haltungsbedingungen eine schrittweise Umstellung ermöglichen.

Wie funktioniert richtiges Abweiden?

Eine pauschale Anleitung nach dem Muster „jeden Tag exakt 30 Minuten weniger“ ist wenig sinnvoll.

Wie schnell die Weidezeit reduziert werden kann, hängt unter anderem davon ab:

  • wie lange dein Pferd aktuell auf der Weide steht
  • wie viel Gras noch vorhanden ist
  • ob bereits Heu zugefüttert wird
  • wie empfindlich dein Pferd auf Futterwechsel reagiert
  • wie die spätere Winterhaltung aussieht
  • welche Qualität das vorhandene Raufutter besitzt

Der Grundgedanke ist einfach:

Weide langsam reduzieren und die spätere Raufutterration parallel etablieren.

Heu schon vor dem Ende der Weidesaison anbieten

Ein sehr wichtiger Schritt ist, mit der Heufütterung nicht erst an dem Tag zu beginnen, an dem die Weide geschlossen wird.

Je weniger Gras im Herbst zur Verfügung steht, desto wichtiger wird ohnehin zusätzliches Raufutter.

Dadurch entsteht häufig ganz automatisch ein fließender Übergang.

Das Pferd frisst weiterhin Gras, nimmt aber gleichzeitig bereits zunehmend Heu auf.

So hat das Verdauungssystem Gelegenheit, sich an die Winterration anzupassen.

Weniger Gras bedeutet nicht automatisch weniger Zucker

Ein Punkt wird im Herbst besonders häufig unterschätzt.

Die Weide sieht abgefressen aus, also kann doch eigentlich nicht mehr viel passieren?

So einfach ist es leider nicht.

Der Zuckergehalt von Gras hängt nicht allein davon ab, wie hoch oder üppig es aussieht.

Sonnige Tage in Kombination mit kalten Nächten können die Zuckerkonzentration in Gräsern beeinflussen. Insbesondere bei frostigen Temperaturen kann der Zuckerstoffwechsel der Pflanzen verändert sein.

Für Pferde mit Stoffwechselproblemen wie EMS oder einer Hufrehe-Vorgeschichte ist deshalb auch die Herbstweide nicht automatisch unproblematisch.

Bei Risikopferden sollte das individuelle Weidemanagement mit Tierarzt und gegebenenfalls Fütterungsberatung abgestimmt werden.

Die abgefressene Herbstweide hat noch ein anderes Problem

Stehen Pferde länger auf Flächen mit kaum noch Gras, beginnen sie zunehmend, sehr kurze Pflanzenbereiche aufzunehmen.

Gleichzeitig steigt der Nutzungsdruck auf die Weide.

Die Grasnarbe wird stärker belastet und insbesondere bei feuchtem Herbstwetter entstehen schnell Trittschäden und verdichtete Böden.

Deshalb ist Abweiden nicht nur eine Frage der Pferdefütterung.

Es gehört auch zum Weidemanagement.

Irgendwann braucht die Fläche Ruhe.

Jetzt verändert sich auch die Wasseraufnahme

Frisches Gras besteht zu einem großen Teil aus Wasser.

Heu dagegen enthält erheblich weniger Feuchtigkeit.

Mit zunehmender Heufütterung muss dein Pferd deshalb entsprechend mehr Wasser über die Tränke aufnehmen.

Gerade im Herbst passiert gleichzeitig etwas Ungünstiges:

Die Temperaturen sinken und manche Pferde trinken weniger gern.

Kontrolliere deshalb besonders während der Umstellung regelmäßig:

  • Funktioniert die Tränke?
  • Ist das Wasser sauber?
  • Trinkt dein Pferd ausreichend?
  • Bleibt der Kot normal?
  • Verändert sich das Fressverhalten?

Eine ausreichende Wasseraufnahme ist für eine funktionierende Verdauung besonders wichtig.

Bewegung verändert sich ebenfalls

Der Wechsel von der Weide in die Winterhaltung bedeutet für manche Pferde nicht nur eine Futterumstellung.

Auch die tägliche Bewegung nimmt plötzlich ab.

Auf der Weide bewegen sich Pferde beim Grasen über viele Stunden immer wieder kleine Strecken.

Stehen sie anschließend länger in Box oder Paddock, kann diese kontinuierliche Bewegung deutlich geringer werden.

Deshalb sollte im Herbst auch die Bewegung neu betrachtet werden.

Auslauf, Training, Spaziergänge und möglichst freie Bewegung bleiben wichtige Bestandteile des Alltags.

Beobachte den Kot deines Pferdes

Klingt nicht besonders glamourös – ist aber ziemlich aufschlussreich.

Der Kot kann dir Hinweise darauf geben, wie dein Pferd mit der Futterumstellung zurechtkommt.

Achte während des Abweidens beispielsweise auf:

  • deutlich weicheren Kot
  • sehr trockenen Kot
  • Kotwasser
  • Veränderungen der Menge
  • auffälligen Geruch
  • ungewöhnlich häufigen oder seltenen Kotabsatz

Nicht jede kleine Veränderung bedeutet sofort ein Problem.

Deutliche oder länger anhaltende Verdauungsveränderungen solltest du jedoch ernst nehmen.

Braucht mein Pferd beim Abweiden zusätzliche Produkte für den Darm?

Nicht jedes gesunde Pferd benötigt automatisch ein Ergänzungsfuttermittel, nur weil die Weidesaison endet.

Eine langsam angepasste Ration, ausreichend hochwertiges Raufutter, Wasser und Bewegung sind zunächst die wichtigsten Grundlagen.

Bei empfindlichen Pferden oder bestehenden Verdauungsproblemen kann eine gezielte Unterstützung sinnvoll sein.

Welche Ergänzung tatsächlich passt, sollte sich aber am individuellen Pferd und seiner gesamten Fütterung orientieren.

Mehr Produkte bedeuten nicht automatisch eine bessere Futterumstellung.

Was ist mit Kraftfutter und Mineralfutter?

Auch die übrige Ration sollte beim Wechsel in die Winterfütterung überprüft werden.

Während Weidegras verschiedene Nährstoffe liefert, verändert sich die Versorgung mit dem Übergang zu Heu.

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass große Mengen Kraftfutter notwendig werden.

Entscheidend sind:

  • Qualität und Menge des Raufutters
  • Körpergewicht
  • Arbeitsleistung
  • Alter
  • Gesundheitszustand
  • tatsächlicher Nährstoffbedarf

Gerade bei Mineralfutter lohnt sich eine Rationsberechnung, statt einfach die Winterration des Vorjahres zu übernehmen.

Ein einfacher Herbst-Check für die Futterumstellung

Wenn die Weidesaison langsam endet, kannst du dir ein paar Fragen stellen:

Wie viele Stunden steht mein Pferd aktuell noch auf der Weide?

Wie viel Gras ist tatsächlich noch vorhanden?

Bekommt es bereits regelmäßig Heu?

Wie sieht die spätere Winterration aus?

Trinkt mein Pferd ausreichend?

Bleibt die Verdauung stabil?

Wie verändert sich die tägliche Bewegung?

Ist die Weide durch Nässe und Trittschäden bereits stark belastet?

Damit hast du die wichtigsten Bereiche schon im Blick.

Häufige Fragen zum Abweiden beim Pferd

Muss man Pferde überhaupt abweiden?

Ein schrittweiser Übergang ist sinnvoll, weil der Wechsel von Weidegras auf überwiegend konserviertes Raufutter eine Futterumstellung darstellt. Wie dieser Übergang gestaltet wird, hängt von Haltung, Pferd und Futterangebot ab.

Wie lange dauert das Abweiden?

Dafür gibt es keine feste Dauer, die für jedes Pferd passt. Entscheidend ist, größere Veränderungen nicht abrupt vorzunehmen und Heu rechtzeitig in die Ration zu integrieren.

Wann sollte man mit dem Abweiden beginnen?

Der richtige Zeitpunkt hängt von Wetter, Grasbestand, Bodenverhältnissen und Haltung ab. Häufig beginnt die Umstellung bereits im Spätsommer oder frühen Herbst, wenn das Graswachstum deutlich nachlässt und zunehmend Heu zugefüttert wird.

Ist Herbstgras ungefährlich für Pferde mit Stoffwechselproblemen?

Nein. Auch Herbstgras kann relevante Mengen an Zucker enthalten. Besonders kalte Nächte beziehungsweise Frost in Kombination mit sonnigen Bedingungen können eine Rolle spielen. Bei Pferden mit EMS oder Hufreherisiko ist ein individuell angepasstes Weidemanagement wichtig.

Muss ich beim Abweiden mehr Heu füttern?

Wenn weniger Weidegras aufgenommen wird, muss die Versorgung mit geeignetem Raufutter entsprechend sichergestellt werden. Pferde sollten nicht über längere Zeit ohne Zugang zu geeignetem Raufutter bleiben.

Warum trinkt mein Pferd nach dem Abweiden mehr?

Weidegras enthält wesentlich mehr Wasser als Heu. Wird der Anteil an Heu größer, muss ein Pferd einen größeren Teil seines Flüssigkeitsbedarfs über Trinkwasser decken.

Fazit: Was im Frühjahr gilt, gilt auch im Herbst

Beim Anweiden nehmen wir uns Zeit.

Wir erhöhen die Grasmenge langsam, beobachten unsere Pferde und wissen, dass sich der Verdauungstrakt erst an die neue Fütterung gewöhnen muss.

Warum sollten wir es im Herbst plötzlich anders machen?

Auch der Wechsel zurück zu Heu verändert die Ration, das Darmmikrobiom, die Flüssigkeitsaufnahme und häufig sogar die tägliche Bewegung.

Abweiden bedeutet deshalb nicht einfach, die Weidetür irgendwann zu schließen.

Es bedeutet, den Übergang bewusst zu gestalten.

Heu rechtzeitig integrieren, Weidezeit schrittweise reduzieren, Wasseraufnahme und Verdauung beobachten und gleichzeitig die Bedürfnisse der Weidefläche berücksichtigen.

Denn ein guter Start in die Winterfütterung beginnt nicht erst im Stall.

Er beginnt mit den letzten Wochen auf der Weide. 🐴🍂

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